Photos: future documentation / erica overmeer
 
 
 

BÜROGEBÄUDE GASSER BAU AG (2009 - 2011)

 


EIN WERKZEUG FÜR EINEN BAUMEISTER

Der auf dem eigenen Werkhof errichtete Neubau der Baumeisterfirma L. Gasser & Co. AG in Oberhasli schafft mit seiner ausdruckstarken Betonarchitektur einen neuen Ort in einer rauen Umgebung und gibt dem Unternehmen schon von weitem einen markanten Auftritt. Das Gebäude fasst die bisher an verschiedenen Standorten gelegenen Büroräume zentral zusammen. Mit dem gezielten Eingriff wurde die unentschiedene räumliche Situation auf dem Areal geklärt und der Auftritt des Unternehmens gegen die Kantonsstrasse neu artikuliert. Die Stellung des vom Boden abgehobenen Baukörpers schafft einen Hofraum, der dem Werkhofgelände einen klaren räumlichen Schwerpunkt gibt, ohne die Weite des Areals gegen das landwirtschaftlich genutzte Feld im Westen zu unterbrechen. Der auf zwei massiven Pylonen ruhende Baukörper ist als Brückenbauwerk mit der minimal notwendigen Erdberührung konzipiert. Dies erlaubt das grosszügige Rangieren von Fahrzeugen. Der schwebende Baukörper thematisiert aber auch das urtümliche Motiv des Bauens vom Tragen und Lasten. Eine grundlegende Absicht war es denn auch von Beginn weg, dass das Tragwerk eine entscheidende Rolle spielt und den Raumkörper formt.

 

STRUKTUR ERZEUGT RAUM

Der auf zwei massiven Pylonen lagernde Knochen, der Ortbetonkern, trägt eine Serie von vorfabrizierten 140cm hohen Deckenträgern. Fertigteildecken überspannen das Traggerüst und werden mit einem Überbeton zu einer massiven Decke vergossen. An den U-förmigen Aussenwandelementen der Längsseiten hängt schliesslich die Ortbetondecke. Die Stirnseiten sind in Ortbeton monolithisch mit beiden Deckenplatten verbunden und steifen die Konstruktion aus.  Damit sind sämtliche umfassenden Wände und Decken statisch notwendige Bauteile und untrennbar zu einem Skelett verbunden. Der schlanke Kern beherbergt alle dienenden Räume wie Archive, Küche und Toiletten und unterteilt den Baukörper in eine überaus grosszügige offene Halle mit Empfang, Administration und dem grossen Sitzungstisch auf der einen und der Zellenstruktur der Büros auf der gegenüberliegenden Seite. Alle Trennwände sind in Kalksandstein aufgemauert und können bei Bedarf entfernt oder versetzt werden. Die Leitungsführungen folgen dem architektonischen Konzept: sämtliche Erschliessungen mit Wasser, Luft und Energie werden vom nördlichen  als Technikzentrale ausgestatteten Pfeiler in das zentrale Nervensystem entlang dem inneren Rückgrat geführt und von dort aus in Querrichtung in die Büroräume und die Halle verteilt.

 

DIE HANDSCHRIFT DES MACHENS

Der Rohbau erzählt die Geschichte des Bauunternehmens und spielt mit seinen alltäglichen Materialien. Beton wird in seinen verschiedenen Erscheinungsformen verwendet, roh an Ort gegossen und schalungsglatt industriell vorfabriziert. Zusammengefügt zu einem Ganzen prägen die beiden Herstellungsweisen das Erscheinungsbild und umfassen den Raum mit einem Material in zwei Oberflächenqualitäten. Das Rohe – in Spannung gesetzt zum Glatten - wird zum eigentlichen Motor des Ausdrucks. Akzentuiert mit einer leicht transparenten, weissen Lasur wird das Unpräzise des Abdrucks von abgenutzten groben Schaltafeln der Ortbetonwände zu einer Metapher für die Schönheit des Gebrauchs und die Handschrift des Machens. Massive Betongesimse schliesslich fassen die Fassade aus doppelwandigen Terracottaplatten, welche dem Gebäude einen robusten keramischen Panzer verleihen.

 

FEINE HAUT

Die leichte Welle der Keramikprofile zeigt sich erst von Nahem und gibt der Fassade eine fein spürbares vertikales Muster, das sich im Tagesverlauf bei Streiflicht für kurze Zeit dramatisiert. Die zwei verwendeten Grautöne, die aufgrund von Brennprozessen mit unterschiedlich hohen Temperaturen entstehen, erzeugen ein ausdrucksvolles Farbspiel. Sämtliche Leibungselemente wurden mit demselben Terracottaprofil ausgeführt, um die Wellenstruktur optisch nicht zu unterbrechen, wobei die Ausbildung der versteckten Rollladenschienen besonderes Augenmerk verlangte. In den Gebäudekanten wurde die herkömmliche Eckausbildung auf Gehrung vermieden zugunsten von einem offenen Aneinanderstossen der Elemente, welches die Lesbarkeit der Teile markant erhöht. Die offene Stirn der Platten, welche ihre eigentümliche Porosität enthüllt, zeichnet sich an den Fenstersturzdetails überraschend ornamental ab.


OBJEKT
Bürogebäude für die Gasser Bau AG auf dem eigenen Werkhof

STANDORT
Oberhasli, ZüricH

MATERIALISIERUNG
Beton, Fassade aus Terracotta

MITARBEIT
Johannes Käferstein, Urs Meister, Florian Berner, Urban Blaas, Dominique Esterl, Labinot Pacolli

 

BAULEITUNG
Schneider & Partner Baumanagement

 

AUSZEICHNUNGEN/LABEL
- "Special Mention" für besondere Design Qualität German Design Award 2014
- Best architects 2013
- "Winner" Iconic Award 2013
- "Engere Auswahl" Architekturpreis Beton 13
- "Nomination" Marketing Award 2012
- "Nomination" IHM Preis 2012 geplant + ausgeführt
- "Bau der Woche", Swiss Architects

PUBLIKATIONEN
- WERK, BAUEN + WOHNEN 03/2012: Thomas Schregenberger, "EINFACH SPEKTAKULÄR"
- Baunetz Wissen "Hülle aus doppelwandigen Keramikwellen"
- Passivhauskonferenz 2012 Hannover "Werte und Werkzeuge"
- Architektur + Technik, Sonderheft „Fassaden 2011“, „Baumeister-gerecht“, Bürogebäude Gasser in Oberhasli
- SIA 15n - Woche zeitgenössischer Architektur 2012